NGG-Saar gratuliert zu Bundesverdienstkreuz für Herrn Christian Bau und nimmt Stellung zu Interview

Der saarländische Drei- Sterne- Koch Herr Christian Bau wurde unlängst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die NGG im Saarland gratuliert Herrn Bau für sein langjähriges Engagement und seine Verdienste um gutes Essen. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung hat Herr Bau der NGG vorgeworfen, wir würden uns nicht für die Spitzengastronomie einsetzen und ständig nur Probleme thematisieren. Im gleichen Bericht forderte er die Einschränkung der Arbeitszeitdokumentation. Im anhängenden Brief nehmen wir Stellung zu dem Interview, welches unter dem unten stehenden Link abrufbar ist.

Wir freuen uns über einen Dialog mit Herrn Bau, um gemeinsam die Wertschätzung der Branche zu verbessern.

Offener Brief:

Ihr Interview mit Herrn Thomas Reinhardt, Saarbrücker Zeitung

Sehr geehrter Herr Bau,

im Namen der Gewerkschaft Nahrung- Genuss- Gaststätten, Region Saar, darf ich Ihnen meine Glückwünsche zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Ihnen und dem Team des Victor´s Fine Dining übermitteln. Diese Auszeichnung ist Verdienst für eine großartige Leistung und wertet die Spitzengastronomie verdient auf.Da Sie uns als zuständige Gewerkschaft für das Gastgewerbe in Ihrem Interview direkt angesprochen haben, erlaube ich mir zu den von Ihnen aufgeführten Punkten Stellung zu nehmen. Die Spitzengastronomie und ihre Beschäftigten werden von unserer Gewerkschaft und ihren Vorläuferorganisationen seit jeher vertreten. Die Gestaltung der Einkommens- und Arbeitsbedingungen ist unsere Hauptaufgabe. Darüber hinaus sind unsere Mitglieder in der Branche Botschafter des guten Geschmacks. Sie bilden die Gewerkschaft NGG.

Das Gastgewerbe insgesamt nimmt eine herausragende Stellung in unserer Arbeit und den Gremien der NGG ein.

So sind im Vorstand der NGG- Region Saar mit Herrn Christof Schuster und Frau Anke Schirra anerkannte Expertinnen und Experten der Branche vertreten. Den unbegründeten und vom Berichterstatter nicht kritisch hinterfragten Pauschalvorwurf, wir würden nur Probleme sehen, kann und will ich so nicht stehen lassen.

Die Spitzengastronomie ist ein bedeutender Teil der Branche. Ich stimme mit Ihnen überein, dass wir gemeinsam alle dafür streiten müssen, dass die hervorragende Arbeit, die die Beschäftigten der Branche leisten, durch die Kunden anerkannt werden muss. Wertschätzung für gute und hochwertige Ernährung kommt in unserem Land definitiv zu kurz. Das schließt auch die Frage der Preiswürdigkeit mit ein. Aber als ausgezeichneter Drei- Sterne- Koch wären Sie auch ein idealer Botschafter für gute Arbeit und Einkommensbedingungen.

Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, haben wir im vergangenen Jahr für einen Koch im Hause Victors Perl Nennig unbezahlte Mehrarbeit für drei Monate in Höhe von mehreren tausend Euro geltend gemacht. Der betroffene Mitarbeiter und weitere im Hause, hatten keinen 8-, bzw. 10- Stunden- Tag. Über einen längeren Zeitraum kamen hier tägliche Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden zusammen. Diese Mehrarbeit wurde finanziell nicht abgegolten. Von Einhaltung der Ruhezeiten war hier keine Rede. Dies alles geschah, obwohl eine beiderseitige Tarifbindung bestand. Ihre Forderung, die Einhaltung und Dokumentation der Arbeitszeit abzuschaffen, kann ich unter diesen Umständen nur so verstehen, dass alltägliche Verstöße nicht dokumentiert werden sollen. Wenn ein Betrieb seine Öffnungszeiten einschränken muss, liegt dies sicherlich nicht an den Arbeitszeitrichtlinien, sondern an der Tatsache, dass auch in der Spitzengastronomie in einigen Betrieben eine Überlastung der Beschäftigten immer wieder vorkommt, bei gleichzeitig dann vorhandener mangelnder Wertschätzung. Die Folgen: Stellen bleiben unbesetzt, die Öffnungszeiten werden eingeschränkt. Was ich persönlich und unsere Gewerkschaft von Sternegastronomie erwarten, lässt sich einfach zusammenfassen:

·         Unbedingte Einhaltung aller tariflichen Regelungen, egal ob Zuschläge für Mehrarbeit oder Entgelt.

·         Einhaltung der Arbeitszeitregelungen und Anerkennung der eigenen Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Beschäftigten.

Gemeinsam mit dem Branchenverband DEHOGA gestalten wir die Einkommens- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten unserer Branche. Wir kämpfen für Fachkräftesicherung und können als Gewerkschaft daher erwarten, dass gerade die Sternegastronomie als leuchtendes Beispiel voran geht.

Wenn das gewährleistet ist, sollte auch tatsächlich die Politik mit ins Boot kommen. Denn was dürften sich im Gegenzug unsere Politiker/innen anhören, wenn Sie in Betrieben speisen, in denen mitunter gegen Arbeitszeitgesetze verstoßen wird und die Beschäftigten mit Entgelten in Mindestlohnhöhe oder knapp darüber abgespeist werden?

Das wäre ein Skandal und würde der Branche nachhaltig schaden.

Ich verstehe Ihr Interview als Angebot, hier gemeinsam einen neuen Weg zu beschreiten und würde mich freuen, mit Ihnen und Mitgliedern unserer Gewerkschaft aus der Branche in den Dialog treten zu dürfen. Wir brauchen Respekt für die Leistung aller Beschäftigten in der Gastronomie, egal ob in der Spülküche, im Service oder auch in der Betriebsleitung. Es geht nur gemeinsam, wenn wir endlich mehr Wertschätzung erreichen und auch die Begeisterung für diese Branche wieder entfachen wollen. Das Gastgewerbe verdient Respekt.

Ich stehe Ihnen für eine Terminvereinbarung gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

gez.

Mark Baumeister

Geschäftsführer

NGG, Region Saar

 

 

Hier geht´s zum Brief an Herrn Bau und Herrn Reinhardt (Saarbrücker Zeitung) als Download.

Hier geht´s zum Interview der Saarbrücker Zeitung mit Herrn Bau.