Tarifverträge gibt es nicht automatisch Gastgewerbe muss aus Niedriglohnecke raus- Beschäftigte tragen Mitverantwortung

06. Januar 2022

Am 24. Januar 2022 beginnen die Tarifverhandlungen für die rund 10.000 Beschäftigten im saarländischen Gastgewerbe. Die Tarifkommission der NGG geht mit einer klaren Forderung in die Verhandlung:

  • Kein Einstieg für ungelernte Beschäftigte unter 12 € pro Stunde, plus 5 % Abstand vom neuen Mindestlohn, wenn dieser 12 € pro Stunde erreicht.
  • Mindestens 15 € pro Stunde direkt nach der Ausbildung, was einem Bruttoentgelt bei Vollzeit von 2.595 € im Monat entspricht.
  • Mindestens 17 € pro Stunde bei zusätzlicher Verantwortung, was einem Bruttoentgelt bei Vollzeit von 2.941 € im Monat entspricht.

 

Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG- Region Saar:

„Diese Einkommen sind möglich. In immer mehr Bundesländern gelingt es NGG und DEHOGA, das Gastgewerbe aus der Niedriglohnecke zu führen. Wir haben auch keine Wahl: Ohne Personal kein Umsatz und kein Geschäft. Trotz der schwierigen Lage für das Gastgewerbe müssen wir gemeinsam neue Wege beschreiten.“

 

Gleichzeitig weist die NGG auf den laxen Umgang vieler Beschäftigter mit ihren Rechten hin:

„Die Beschäftigten im Gastgewerbe sind es nicht gewohnt, für ihre eigenen Rechte einzutreten. Begriffe wie Warnstreik oder auch nur die Wahl eines Betriebsrates sind im Gastgewerbe des Saarlandes fast unbekannt. Gleichzeitig bekommen wir immer wieder Arbeitsverträge vorgelegt, die weit unter Tarifniveau liegen und die Beschäftigten zur Vermeidung von Steuern- und Sozialabgaben alle möglichen und unmöglichen Regelungen zu Trinkgeld und steuerfreien Zulagen vereinbaren. So kommen wir nie aus der Schmuddelecke. Niedrige Löhne haben sich gerade in der Corona- Krise gerächt, das Kurzarbeitergeld viel entsprechend niedrig aus. Die Beschäftigten müssen lernen, dass gute Arbeit nicht vom Himmel fällt und sich organisieren, wie fast alle anderen Branchen es erfolgreich vormachen.“

 

Saarbrücken, den 06. Januar 2022